De Facto, Domaine La Colombe

De Facto 2019: Elegant und frisch

Die Pet-Nat Szene in der Schweiz wird immer spannender. Neu auf dem Radar: Der «De Facto» von Laura Paccot. Die Domaine La Colombe hält bereits seit Jahren die Fahne für biodynamischen Weinbau im Waadtland hoch und ist bekannt für ihre terroir-betonten, feinen, mineralischen Chasselas. Die Eltern Raymond und Violaine Paccot haben die Basis für diesen Erfolg gelegt, nun übernimmt mit Laura Schritt für Schritt die vierte Generation. Die Grundphilosophie bleibt dabei unverändert: Den Charakter der jeweiligen Lagen herausarbeiten, mit moderatem Alkohol und schöner Säure. Daneben gibt es aber sicher noch mehr Raum für Experimente, wie zum Beispiel der gelungene De Facto zeigt, den ich auf Einladung von Laura kurz nach der Abfüllung probieren konnte.

White Pet-Nat
«Du raisin, sinon rien»

Der Pet-Nat folgt der klassischen Rezeptur: Spontan vergoren, unfiltriert, ohne Schwefel. Die Chasselas-Trauben kommen aus der Parzelle Non Servy in Aubonne, die 2000 gepflanzt wurde. Um die Frische zu bewahren, wurde 10 Tage früher als bei den anderen Terroirs geerntet, was auch in einem tiefen Alkoholgehalt von 10.6% resultierte.

Im Glas schäumt es zuerst kräftig – aber dann schält sich ein eleganter, feiner Wein aus dem Spektakel. Der De Facto ist kein Naturwein-Freak mit den üblichen Cidre, Most und IPA Aromen, sondern erinnert an einen puren, frischen Bergbach. Er riecht ganz fein nach Holunderblüten, ist fast filigran in der Aromatik, aber deutlich frischer als herkömmliche Schaumweine, auch als andere Pet-Nats. Im Gaumen fällt die vollmundige, breite Textur auf, er ist sehr mineralisch, schmeckt nur leicht nach Birne, Quitte, Aprikosen. Insgesamt bleiben auch weniger die Fruchtaromen in Erinnerung, sondern diese pure Frische und elegante Textur. Gefällt und macht Lust auf mehr, mehr De Facto und mehr helvetische Pet-Nats.

De Facto 2019, Paccot – Domaine La Colombe (Fechy, La Côte / Waadt, Schweiz). Pet-Nat aus Chasselas, 10.6% Vol. Ab Weingut erhältlich für 18.-

Pet nat, Riffel

Riffel Pet Nat 2018

Es zischt beim Öffnen der Flasche, es zischt beim ersten Schluck: Der Pét-Nat von Riffel lässt sich am besten mit einem Wort beschreiben: Erfrischend. Und was in der Flasche steckt, ist ziemlich cool: 100% Scheurebe, gewachsen an verschiedenen Lagen am Binger Rochusberg, direkt am Rhein. Ein aromatisches, trübes Vergnügen, komplett unfiltriert, biodynamisch erzeugt und knochentrocken ausgebaut.

Das Weingut Riffel wird seit 2005 in jüngster Generation von Erik und Carolin Riffel geführt und stellte 2012 komplett auf Biodynamie um. Hier sind also keine Newcomer am Werk, sondern Überzeugungstäter mit Familientradition und 16 Hektaren Rebfläche. Der Pet-Nat ist denn auch die jüngste Idee des Weinguts, das daneben auch sehr solide Rieslinge abliefert und im Schatten der Rheinhessen-Flaggschiffe wie Keller und Wittmann in einer ambitionierten mittleren Liga sehr präzise und ausdrucksstarke Weine in die Flasche bringt. Auch der Vinum Guide Deutschland hielt 2019 fest: «Uns sind bisher nur wenige gelungene [Pet-Nat] Exemplare begegnet. Eins davon ist ohne Zweifel der Pet-Nat von der Scheurebe aus diesem Binger Weingut. Er zeigt eine klare Frucht und eine tolle Harmonie.»

Mit gerade mal 10% Alkohol, feinen Bubbles und einem Aromen-Dreiklang zwischen Zitrus, grünem Apfel und Cidre überzeugt er als Apéro am späten Nachmittag oder als vollwertiger Begleiter zu BBQ oder zum Beispiel zu Muscheln.

Pet nat 2018, Riffel (Bingen, Rheinhessen, Deutschland). Pet-Nat aus Scheurebe, 10% Vol. In der Schweiz erhältlich bei Les Vignes für 28.-

Afros Rosé, Valdisole

Afros Rosé 2018

Piemont, aber neu. 2015 begann Giuseppe Amato mit der Hilfe befreundeter Winzer in den Hügeln des Roero Rebberge zu kaufen und neu anzulegen. Schon der Start war nicht ganz konventionell: Den ersten Rebberg hatte Amato online auf einer Secondhand-Plattform gefunden und gekauft. Was ihn mit den Traditionen der Region verbindet, ist die handwerkliche Sorgfalt und das herzliche Engagement – was ihn aber zu einem Vertreter einer neuen Generation von Winzern macht, ist ein undogmatischer Ansatz mit Weinbau-Einflüssen aus anderen Regionen der Welt und der unbedingte Wille, unverfälschte Natur in die Flaschen zu bringen.

Nothing is art unless it comes from nature.
Antoni Gaudi, Leitphilosophie für Valdisole

Neben einer Reihe von spannenden Orange, weissen und roten Weinen produziert Valdisole mit dem Afros auch einen Naturschaumwein. Wie beim l’écume von Julien Altaber steht auch hier das Meer für den Namen Pate: Afros (αφρός) ist das griechische Wort für den Schaum der Meereswellen.

Im Unterschied zum Aligoté-Pet-Nat aus dem Burgund wird hier das Pet-Nat-Konzept jedoch kreativ gedehnt. Der Rosé (es gibt auch einen weissen) besteht zu 30% Freisa und 70% Barbera, die zunächst komplett mit den Naturhefen durchgären. Ein Teil des Saftes wird dabei vor der kompletten Gärung mit 5g Restzucker gefroren und im Juni des Folgejahres den Weinen wieder beigemischt, bevor sie abgefüllt werden. So wird der Gärprozess reaktiviert und die Bubbles kommen in die Flasche. Ist das noch Pet-Nat? Von der wirklich traditionellen Methode, direkt von der Gärung in die Flasche zu gehen weicht Amato definitiv ab, dank dem Gefrier-Trick braucht es jedoch keinen Zucker und das Endprodukt ist und bleibt Wein ohne jegliche Zusätze.

Und er schmeckt, der Afros Rosé. Ein sehr frischer, fruchtiger Wein mit feinen Bubbles. Das lange Hefelager bekommt ihm gut, er ist balanciert, fein cremig und sehr aromatisch. Einzig die Frucht-Aromen vom Barbera könnten für meinen Geschmack noch etwas ausgeprägter, knackiger sein, damit er noch einen Tick spannender, expressiver wird.

Afros Rosé, Valdisole (Roero, Piemont, Italien). Pét-Nat aus Barbera und Freisa. In der Schweiz erhältlich bei More Than Wine / Bottle Shop für 29.-

Festejar, Domaine La Bohème – Patrick Bouju

Ein Pét-Nat zum Feiern

Patrick Bouju ist mit seiner «Domaine La Bohème» einer der Vorreiter der Bewegung, die mitgeholfen hat die Region Auvergne auf die Naturwein-Landkarte zu setzen – und damit eine Weinregion, die Abseits der bekannten Namen wie dem Burgund, der Rhone oder Loire über die Landesgrenzen hinaus deutlich seltener im Rampenlicht steht, aber genauso über einzigartige Terroirs und schöne Landschaften verfügt.

Bouju startete seine Domaine 2004 mit 1.5 Hektar Rebfläche, die inzwischen auf rund 5 Hektar angewachsen ist. Neben Gamay d’Auvergne, Limberger, etwas Pinot Noir und anderen Sorten kultiviert er auch eine kleine Menge an Chardonnay. Seine meist alten Reben (die ältesten davon sind etwa 120 Jahre alt), wachsen auf kalkhaltigen und vulkanischen Böden, geprägt vom Puy de Dôme, dem Vulkan im Herzen der Auvergne. Im Rebberg verzichtet Bouju auf sämtliche Chemie, sondern setzt auf Produkte auf Kupfer- und Schwefelbasis sowie fermentierte Pflanzenextrakte.

Unter dem Namen «Festejar» (spanisch für feiern) produziert Bouju drei schöne Pét-Nats. Einen roten, einen Rosé – und einen Blanc aus Chardonnay, und um den geht es hier:

Der Festejar Blanc ist ein richtiger Spasswein, und zwar auf eine positive Art und Weise. Er riecht nach Zitrusfrüchten (am ehesten Grapefruit), Basilikum, und auch etwas Asche und Stein. Schmeckt original nach einer guten Zitronenlimonade mit Kräutern, ein wenig süss (ganz wenig) und mit richtig ordentlich Säure.

Ein sehr zugänglicher Pét-Nat, der aber doch Niveau hat und das Terroir der Auvergne zu transportieren vermag.

Festejar Blanc, Domaine La Bohème (Auvergne, Frankreich). Pét-Nat aus Chardonnay, bei diversen Händlern erhältlich – aber selten wirklich zu finden. Ca. €20.-

Grosser Dank für das Artikelfoto und die Degustationsnotiz an Naddi Heyl.

Video-Portrait Patrick Bouju, Entre Les Vignes

Pétillant Naturel, Weinbau Kunz

Pet-Nat Power

Einer der schönsten Aspekte des aktuellen Pét-Nat Trends ist die Kreativität und Experimentierfreude, die diese Weine unter Winzern stiften. Während entlang jahrzehntelangen Traditionen und strikten Richtlinien der lokalen Appellationen oft sehr schöne, aber selten überraschende Weine den Weg ins Glas finden, explodiert die Vielfalt an Pét-Nats gefühlt von Jahr zu Jahr. Nicht zuletzt der vergleichsweise kurze Weg vom Rebberg in die Flasche und zu den Konsumenten machen Pét-Nats zu einem zugänglichen Experimentierfeld für Winzer und so zu einer spannenden Sache für uns Weintrinker. Es entstehen unkomplizierte Weine für den Alltag, die von der Freude der Winzer an ihrem Handwerk zeugen.

Das gilt auch für den Pétillant Naturel von Hanspeter Kunz, seinem ersten Pét-Nat. Das Weingut Kunz ist ein Familienbetrieb in Fläsch in der Bündner Herrschaft und bewirtschaftet 4 Hektar Reben.

Der Pét Nat wurde aus Pinot Noir und Riesling-Sylvaner-Trauben gekeltert, produziert nach den Richtlinien der Integrierten Produktion. Der Wein durchlief eine kühle Spontanvergärung während 10 Tagen im Tank, bevor er danach in die Flasche gefüllt wurde und fertig gärte.

Das Resultat ist ein ziemliches Power-Paket. Stark schäumend kommt er ins Glas, mit einem hellen Lachsrosa. Während andere Pét-Nats eine fast cremige Textur und eine feine Perlage aufweisen, prickelt es hier fast bis ans Limit. Mit etwas Zeit im Glas wird er zugänglicher, es zeigen sich feinere Noten, etwas grüner Apfel, leicht Birne, Zitrus. Ein sehr frischer Wein, aber stilistisch kein typischer Pét-Nat, sondern geht mehr in die Richtung klassischer Schaumweine.

Pétillant Naturel (non vintage), Weinbau Kunz (Fläsch, Schweiz). Pét-Nat aus Pinot Noir und Riesling-Sylvaner, 11.5% Vol. In der Schweiz direkt beim Weingut erhältlich, 20.-

L’Écume, Sextant – Julien Altaber

l’Écume

Der «l’Écume» von Julien Altaber ist ein Pét-Nat der ersten Stunde, der die neue Welle von natürlichen Bubbles zusammen mit Produzenten wie Potaire/Gaddouche (Capriades) oder Robinot mitbegründet hat. Komplett trocken ausgebaut, aromatisch, mit der unverwechselbar eleganten Aromatik von Hefe- und Birnennoten ist er ein Benchmark für viele Pét-Nats, die heute produziert werden.

Julien Altaber wuchs in der Region Auvergne auf und hat schon im frühen Alter von 16 Jahren entschieden, sich dem Weinbau zuzuwenden. Sein eigenes Label «SEXTANT» hat er 2007 gegründet, damals noch mit zugekauften Trauben und tatkräftiger Unterstützung des Biodynamik-Pioniers Dominique Derain. Julien hat auf der Domaine von Dominique gearbeitet und durfte zur Vinifikation seiner ersten Weine dessen Infrastruktur nutzen. 2010 hat er seine ersten eigenen Parzellen gekauft und Schritt für Schritt in die eigene Ausrüstung investiert. Seit 2013 befindet sich sein Weingut in Saint Aubin, südlich von Beaune.

Zum Wein: «l’écume» ist Französisch für Meeresschaum bzw. die Gischt – ein sehr passender Name für diesen eleganten, frischen Wein. Der Jahrgang 2014 ist mit fünf Jahren Reife eine Freude zu trinken. Trüb im Glas, mit sehr feinen Bubbles, ist Julien Altabers Pét-Nat kein lauter, ultra-funky Wein, sondern hat eine erfrischende Mineralität, fast cremige Textur und feine, aber doch lebhafte Noten von Birne, Hefe. Alles ist schön balanciert und bleibt lange am Gaumen haften.

Dieser Wein passt perfekt in eine lockere Runde mit Freunden, zu Käse oder Aufschnitt, oder einfach auch solo.

L’Écume 2014, Sextant – Julien Altaber (Saint Aubin, Burgund, Frankreich). Pét-Nat aus Pinot Noir und Aligote, 12% Vol. In der Schweiz erhältlich bei Maison Libre für 26.- (neuere Jahrgänge mit neuem Label)

Zweigelt Pet-Nat, Fritz Salomon

Im Nord-Osten von Österreich, gut 50km vor Wien, liegt das Weinbaugebiet Wagram: Ein langgezogener Hügelzug, wo auf eiszeitlichem Löss aromatische Weine angebaut werden. Hier ist auch das Gut Oberstockstall zuhause, das seit Jahrzehnten von der Familie Salomon geführt wird. Seit 2008 wird nach biodynamischen Grundsätzen gewirtschaftet. Eines der jüngsten Experimente ist ein eigener Pét-Nat, vinifiziert als Rosé-Variante aus Zweigelt.

Fritz Salomon / Gut Oberstockstall - Pet-Nat Zweigelt Rosé
Elegant, harmonisch, frisch.

Fritz Salomons Pét-Nat ist ein ruhigerer Vertreter dieser Weinkategorie. Hier zischt und sprudelt es nicht aus der Flasche, sondern perlt fein und elegant. Auch im Geschmack ist der Zweigelt-Rosé angenehm verhalten, das helle Lachsrot hält am Gaumen, was es auf den ersten Blick verspricht: Feine Aromatik (Himbeeren, Erdbeeren, Blüten), frisch und trinkig. Ein Pét-Nat der sich nicht in den Vordergrund drängt und auch für Weinfreunde zugänglich ist, die sonst keine Berührungspunkte mit Naturweinen haben.

Der Wein wurde unfiltriert abgefüllt, bzw. nicht degorgiert. Die dicke Sedimentschicht liegt kompakt unten am Boden (stehende Lagerung empfohlen) und kann je nach Präferenz auch leicht aufgeschüttelt werden – mir gefiel er jedoch klar/unbewegt am besten, da so sein elegant-harmonischer Geschmack optimal zum Ausdruck kommt.

Pet-Nat 2016, Fritz Salomon / Gut Oberstockstall (Kirchberg, Wagram, Österreich). Rosé Pét-Nat aus Zweigelt, 12,5% Vol. In der Schweiz erhältlich bei Haus Österreich für faire CHF 18.-

Pennyroyal Tea, Quantum Winery

Quantum Winery - Pennyroyal Tea Rosé Pet-Nat
Neon-Orange leuchtet der Pennyroyal Tea aus dem Glas

Die Quantum Winery ist das Projekt von Florian Schuhmann. Er betreut insgesamt ca. 2 Hektar Rebberge im österreichischen Weinviertel. Viele kleine Parzellen, alles alte Reben mit entsprechend Potential. Florian arbeitet rein biologisch, mit Spontangärung, langen Maischestandzeiten und füllt die Weine ungeschönt, unfiltriert und mit minimaler Schwefelung ab.

Der «Pennyroyal Tea» ist nicht nur namentlich eine Hommage an Nirvana, sondern ein richtiger Pét-Nat Underdog. Kein eleganter Schäumer, kein Wässerchen zum Nippen – das ist weingewordener Grunge. Direkt, authentisch, unprätentiös. Und etwas dreckig.

Das Abenteuer beginnt beim Öffnen – die Flasche unbedingt schräg halten! Der Kronkorken wurde offenbar nicht nur aus ästhetischen Gründen mit Wachs abgedichtet, denn hier entladet sich ziemlich viel Energie und es schäumt munter aus der Flasche. Die Farbe sticht ins Auge mit dem intensiv-leuchtenden Orange-Rot. Dann der erste Schluck: Erdbeer Fizzy. Grapefruit. Most, Aprikose und Zitrone. Braucht einen Moment an der Luft, um die Aromen zu entfalten, runder zu werden. Aber dann macht das Spass, ist frisch und saftig. Der Pennyroyal Rosé ist unkonventionell, intensiv-anspruchsvoll; ein rustikal-radikaler Pét-Nat mit Ecken und Kanten für eingeschworene Natural-Fans. Also nichts für den Apéro mit den Schwiegereltern, aber für einen ehrlichen Abend mit Freunden am Grill.

Quantum Pennyroyal Tea - Flasche

Pennyroyal Tea 2017, Quantum Winery (Maissau, Weinviertel, Österreich). Rosé Pét-Nat aus Merlot, 13,5% Vol. In der Schweiz erhältlich bei Haus Österreich (CHF 26.-)

Pitt Nat, Weingut Pittnauer

Gerhard und Brigitte Pittnauer bewirtschaften ca. 20 ha Reben rund um Gols. Seit 2006 als Bio-Betrieb zertifiziert, verzichten sie auf Reinzuchthefe, Enzyme und massiven Holzeinsatz. Ihr «Pitt Nat» ist eine Cuvee aus Blaufränkisch und St. Laurent, ein feiner Rosé Pét Nat mit nur 10% Alkohol. Unkompliziert, bietet viel Trinkspass mit intensiver Frucht (Erbeeren) und etwas Restsüsse. Eine leichte Note von Kräutern gibt ihm die nötige Tiefe und Frische. Kein Stinker wie sonst oft bei Naturweinen, das hier ist purer Genuss.

Pitt Nat 2016, Weingut Pittnauer (Burgenland, Österreich). Rosé Pét Nat aus St. Laurent und Blaufränkisch, 10% Vol. In der Schweiz erhältlich für CHF 31.- bei Landolt.

Kalkspitz, Christoph Hoch

Im Boden dominiert Kalk, genau wie in der Champagne. Im Glas aber spielt die Méthode Ancestrale ihr ganzes Register: Leicht trüb, präsent dank einer erfrischenden Säure und schmeichelnd mit einem Fächer an schönen Fruchtaromen, die von einer feinen Hefenote zusammengehalten werden. Das ist der Kalkspitz von Christoph Hoch.

Gewonnene Wette, neue Tradition

Christoph Hoch übernimmt 2013 das Weingut seiner Familie an der Donau, um sich einem kompromisslosen Projekt zu widmen: Den Charakter und das Terroir von Holdenburg in seinen Weinen maximal zum Ausdruck zu bringen, im Einklang mit der Natur und mit traditionellen, überlieferten Methoden des Weinbaus. Neben einem Grünen Veltliner und Riesling war es vor allem sein nach traditioneller «Méthode ancestrale» hergestellter Kalkspitz Pét Nat, der ihn rasch bekannt gemacht hat. 2017 wurde er erstmals lanciert und ist seither immer rasch ausverkauft.

In der Recherche-Phase für sein Sparkling Project hat sich Hoch mit den ebenfalls biodynamisch arbeitenden Champagnerwinzern de Sousa, Tarlant und Laherte angefreundet. Von Tarlant erhielt er 12 gebrauchte Champagnerfässer mit noch intakten Hefen und Bakterien, verbunden mit einer Wette: Benoit Tarlant wettete mit Hoch, er würde es nicht schaffen, einen Pét Nat mit konstanter Qualität zu produzieren. Sonst müsse er die Fässer bezahlen. Nach der ersten Abfüllung schickte Christoph Benoit zwölf Flaschen zum Ausprobieren und nachdem dieser die Flaschen ausprobiert hatte, war rasch klar, dass Christoph die Fässer behalten kann. Tradition, Kreativität, Ambition und Freundschaft haben also eine wichtige Rolle gespielt beim Entstehen des Kalkspitz.

Geschmack dank natürlicher Vielfalt

Kalkspitz, Christoph Hoch

Der Kalkspitz ist ein sehr schmackhafter Pét Nat mit einer erfrischender Säure und schöner Cremigkeit am Gaumen. Christoph Hoch setzt ihn aus einer Vielfalt an Trauben (vor allem Grüner Veltliner, gemischt mit Riesling, Sauvignon Blanc, Blauer Portugieser und Muskateller) und Chargen (oder «Projekten», wie Hoch sie nennt) zusammen. Das ergibt eine spannende Kombination von rustikalen und fruchtigen Geschmackselementen. Mit der Champagne teilt Hoch also nicht nur die kalkhaltigen Böden und 12 Fässer von Tarlant, sondern auch die Kunst der Komposition eines Weins aus verschiedenen Chargen und Jahrgänge.

Im Glas zeigt der Kalkspitz eine gelbbraune, trübe Farbe. Man riecht reife Birnen, Quitten, Zitrusfrüchte, frischer Apfel, Kamille. Man entdeckt ständig neue Nuancen. Am Gaumen wirkt er anfänglich fast wie ein Cidre, man schmeckt überreifen Apfel, Nektarinen und präsente Hefenoten. Aber dann schaltet er einen Gang höher und überzeugt mit seiner frischen Säure und sehr feinen Tanninen. Dieser Pét Nat hat viel Kraft und Länge und passt z.B. perfekt als Apero, zu Fisch oder zu Käse.

Paul Blume meint: «Alles in allem spannend und extrem animierend. Besser immer 2 Flaschen kalt stellen!»

  • Pét Nat: Kalkspitz
  • Produzent: Christoph Hoch
  • Ort: Hollenburg, Österreich
  • Traubensorten: Grüner Veltliner, Sauvignon Blanc, Riesling, Muskateller, Blauer Portugieser
  • Kein Schwefel, unfiltriert, undegorgiert, Demeter

Für ca. 25.- erhältlich in der Schweiz bei Paul Blume und Weinauslese. Weitere Pet-Nat-Shops findest du auf unserer Übersicht: Wo kann ich Pét-Nat kaufen?