Pet’Nat‘ Rosé, Cave des Amandiers:

Für Monster und Geniesser: Pet-Nat Rosé aus Humagne Rouge

Sehr steil, sehr schön: Wer sich die Rebberge von Alexandre Délétraz anschaut, versteht schnell warum hier jemand sein Glück als Winzer versuchen will. Erst seit 2008 gibt es seine Domaine, zuvor hatte Alexandre noch sein Önologie-Studium abgeschlossen und war von Genf ins Wallis gezogen, getrieben vom Traum, Winzer zu werden und nicht ein Leben hinter einem Bürotisch zu verbringen. 6 Hektar betreut er heute, gearbeitet wird von Hand und alle Weine vergären spontan.

Seinen Pet-Nat habe ich per Zufall bei einem Genfer Weinhändler entdeckt und gleich bestellt. Neben dem Rosé von 2018 gibt es noch einen weissen Pet-Nat aus Petite Arvine aus dem Jahr 2019, den ich für den Moment aber noch im Keller ruhen lasse.

Der Rosé wurde aus Humagne Rouge gekeltert. Am Anfang ist die Perlage noch sehr intensiv – nicht überschäumend aus der Flasche, sondern druckvoll im Mund. Wandelt sich aber schnell und wird weicher, angenehmer. Es zeigen sich wilde Beeren, ein reifes Aroma, sehr harmonisch. Sehr schön in Begleitung zu Essen. Ein eleganter, lustvoller Pet-Nat.

Man merkt diesem Weinen die Energie Alexandre an, etwas handwerkliches, aber auch künstlerisches zu schaffen. Eine schöne Entdeckung.

Pet’Nat‘ Rosé 2018, Cave des Amandiers (Wallis, Schweiz). Pet-Nat aus Humangne Rouge, 13,3% Vol. Bei 1870 Vins et Conseil erhältlich für 19.-

PetNat, Weingut zum Sternen: Premiere mit Stil

Nur eine von vielen verschiedenen Etiketten: Der PetNat vom Weingut zum Sternen schmeckt so frisch wie er aussieht.

Dieser Pét-Nat tanzt definitiv aus der Reihe. Wurde mit viel Mühe der individuelle Ausdruck einer einzigen Rebsorte herausgearbeitet? Nein. Trotzen die Winzer in einer abgelegenen Region ihren alten Reben unter widrigen Umständen mikroskopische Erträge ab? Definitiv nicht. Leben hier Aussteiger ihren Traum von naturnahen low-intervention Weinen? Fehlanzeige.

Dieser Pét-Nat ist das jüngste Kind des Weinguts zum Sternen. Unter den qualitativ hochstehenden, grösseren Weingütern der Schweiz ist es mit seinen ca. 25 Mitarbeitern mehr der Kategorie KMU denn den «artisans vignerons» zu zuordnen. Es bringt aber auch 500 Jahre Weinbautradition mit und hat mit dem Kloster Sion Reserve einen der besten Pinot Noirs der Schweiz im Angebot.

Und nun eben: Ein Pét-Nat. Und was für einer.

Da ich die Lancierung des Weines anfangs Jahr in Zürich verpasste, durfte ich die Weine mit etwas Abstand und mehr Ruhe im Juli zuhause probieren.

Was dem Wein an Naturwein-Credibility fehlt, macht er gewissermassen mit seiner irren Komposition wett. Nicht weniger als 200 Sorten von roten und weissen Trauben bilden nämlich die Basis dieses sehr frischen, subtil schäumenden Weines. Die biologisch gepflegten Trauben stammen aus der Rebschule Meier, die auch zum Weingut gehört und die grösste der Schweiz ist. 200, das ist viel. Von den einzelnen Traubensorten bleibt da nicht viel haften, aber da alle Trauben gleichzeitig und wohl auch tendenziell schon früh im Herbst geerntet wurden, resultiert daraus ein eleganter, lachsrosa-farbener Wein. Er ist vollmundig, schön cremig und zeigt leichte Aromen von Aprikosen und Beeren. Die Hefe ist dezent, es sind keine IPA-oder Cider-Noten präsent, wie sie oft bei kräftigeren, naturnaheren Pét-Nats zu finden sind.

Der Wein hält, was die optische Erscheinung verspricht: Ein leichter, erfrischender und sympathischer Pét-Nat mit Stil, der auch viele eher klassisch orientierte Weintrinker mit dieser Kategorie versöhnen dürfte. Die Premiere ist gelungen.

PetNat 2019, Weingut zum Sternen (Aargau, Schweiz). Pet-Nat aus 200 roten und weissen Traubensorten, 11% Vol. Direkt ab Weingut erhältlich für 25.-

CX Ancestral, Partida Creus: Entspannung im Glas

Die Weine von Partida Creus mit ihren plakativen Buchstaben gehören in die gleiche ikonische Top-Liga der Naturwein-Szene wie die Portrait-Labels des Gut Oggau oder die Pfeile von Gabrio Bini. Der erste Jahrgang von Partida Creus entstand aber schon 2007, als Instagram noch nicht erfunden und Naturweine noch weit weg von globalen Dynamik waren, die sich die Szene mittlerweile erarbeitet hat. Höchste Zeit also, diese Ikone vorzustellen.

Partida Creus, das sind Massimo Marchiori und Antonella Gerona, zwei ehemalige Architekten aus dem Piemont. Sie kamen zunächst beruflich nach Barcelona, zogen dann aber ums Jahr 2000 aufs Land, um mehr Ruhe in ihren Alltag zu bringen. So landeten sie in Massís de Bonastre (Baix Penedés), wo sie über die Jahre den Charme verlassener Rebberge und vergessener autochthoner Rebsorten entdeckt haben.

Egal ob CX, GT, XL, BS, VN, AA: Hinter den Buchstaben stehen immer autochthone Sorten der Region, die Massimo und Antonella in verlassenen Parzellen aufgestöbert haben. Die alten Reben werden nachhaltig bewirtschaftet, haben nur sehr tiefe Erträge und die Trauben werden mit möglichst wenig Interventionen und ohne Schwefel vinifiziert. Um den Charakter der Trauben nicht zu verfälschen, werden die Weine strikt in gebrauchten Fässern ausgebaut.

Neben den stillen Weiss-, Orange- und Rotweinen gibt es von Partida Creus auch eine kleine Auswahl von Ancestral Weinen, also spontan- und naturvergorenen Schaumweinen.

Den CX (Abkürzung für die Traube Cartoixa Vermell) hatten wir auf einem Wochenendausflug mit im Gepäck und er passte perfekt zum sommerlichen Sonntagnachmittag am Fluss. Man merkt es diesem Pet-Nat an, dass hier Erfahrung am Werk ist. Der Wein ist angenehm unaufgeregt, fast schon nobel, kühl zurückhaltend, aber mit einer spürbaren Spannung und Tiefgang. Ein sehr frischer Wein, kühle Frucht (etwas weisser Pfirsich), aber eben auch mediterrane Kräuter (Rosmarin, Thymian) und fast eine leichte Salzigkeit.

Kein Pet-Nat-Blockbuster, aber definitiv ein Wein, den es sich lohnt zu suchen.

CX 2018, Partida Creus (Bonastre / Penedès, Spanien). Pet-Nat aus Cartoixa Vermell, 10% Vol. Bei More Than Wine erhältlich für 30.- (ausverkauft)

Links: Partida Creus – Visit 2014 (Katalde.com), The Birthplace of BS (thewinestache.com)

Bubbles vom Walensee: Die Pét-Nats von Marco Casanova

Mit Jahrgang 2019 präsentiert der «Zauberer vom Walensee» und Biowinzer des Jahres 2017 seine ersten beiden Pét-Nats. Casanova produziert in Walenstadt auf verschiedenen Parzellen sehr feine und ausdrucksstarke Weine und wer seinen Rebberg Seemühle am Ufer des Walensees besucht, bekommt schnell ein Gefühl dafür, wie viel Platz für Natur ein konsequent biodynamischer Weinbau bieten kann: Es summt und blüht überall, und dazwischen wachsen saubere, gesunde Trauben.

Neben die klassischen Pinot Noirs, Chardonnays und anderen stillen Weine gesellen sich jetzt diese beiden Pét-Nats in rosé und weiss: Ein Pinot Saignée aus Trauben aus den verschiedenen Pinot Noir Parzellen und der Seyval Blanc von Trauben vom Hof Wynegg in Malans. Die beiden Weine sind sehr unterschiedlich in ihrer Aromatik, tragen aber beide deutlich die Handschrift von Marco Casanova. Sie sind in ihrer Art sehr authentisch, direkt und kompromisslos. Auch bei Casanova sind die Pét-Nats spontan vergoren, unfiltriert, ohne Schwefel.

Casanova Pét-Nat - Pinot Saignée
Wild und funky: Pét-Nat Pinot Saignée

Der Pinot Saignée hat eine herrliche Farbe wie frischer Grapefruit-Saft und ist ein richtig süffiger, aber dennoch feiner Tropfen. Im Geschmack wohldosierte Zitrusfrüchte (hier löst der Gaumen das visuelle Versprechen ein) und ein ganzer Korb voller roter Früchte. Das ist kein Experimental-Petnat mit Most-Stinker, sondern spritziger Pinot mit feinen Bubbles, einer herrlichen, cremigen Textur und schönen Hefenoten. 300 Flaschen wurden abgefüllt.

Casanova Pét-Nat - Seyval Blanc
Elegant und erfrischend: Pét-Nat Seyval Blanc

Der Seyval Blanc ist der etwas elegantere Bruder des Funky Saignee. Er schäumt deutlich weniger und hat eine eher kühlere, mineralischere, fast auch etwas zurückhaltende Art. Die Aromatik zeigt feine Aromen von Birne, leicht Melone, etwas Brotrinde und auch in Richtung Zitrus, weisser Grapefruit. Die Textur ist kalkig-cremig und macht den Wein sehr erfrischend. Zum Apéro und etwas Käse und Fleisch passt das sehr gut. 1000 Flaschen wurden produziert.

Aus dem Stand hat Casanova mit diesen beiden Weinen zwei sehr gelungene, kreative Pét-Nats produziert und wir sind gespannt auf die weitere Entwicklung der Bubbles vom Walensee.

Pinot Saignée 2019, CasaNova Wein Pur (Walenstadt / St Gallen, Schweiz). Pet-Nat aus Pinot Noir, 12,9% Vol. Ab Weingut erhältlich für 20.- (ausverkauft)

Seyval Blanc 2019, CasaNova Wein Pur (Walenstadt / St Gallen, Schweiz). Pet-Nat aus Seyval Blanc, 12,7% Vol. Ab Weingut erhältlich für 20.-

De Facto, Domaine La Colombe

De Facto 2019: Elegant und frisch

Die Pet-Nat Szene in der Schweiz wird immer spannender. Neu auf dem Radar: Der «De Facto» von Laura Paccot. Die Domaine La Colombe hält bereits seit Jahren die Fahne für biodynamischen Weinbau im Waadtland hoch und ist bekannt für ihre terroir-betonten, feinen, mineralischen Chasselas. Die Eltern Raymond und Violaine Paccot haben die Basis für diesen Erfolg gelegt, nun übernimmt mit Laura Schritt für Schritt die vierte Generation. Die Grundphilosophie bleibt dabei unverändert: Den Charakter der jeweiligen Lagen herausarbeiten, mit moderatem Alkohol und schöner Säure. Daneben gibt es aber sicher noch mehr Raum für Experimente, wie zum Beispiel der gelungene De Facto zeigt, den ich auf Einladung von Laura kurz nach der Abfüllung probieren konnte.

White Pet-Nat
«Du raisin, sinon rien»

Der Pet-Nat folgt der klassischen Rezeptur: Spontan vergoren, unfiltriert, ohne Schwefel. Die Chasselas-Trauben kommen aus der Parzelle Non Servy in Aubonne, die 2000 gepflanzt wurde. Um die Frische zu bewahren, wurde 10 Tage früher als bei den anderen Terroirs geerntet, was auch in einem tiefen Alkoholgehalt von 10.6% resultierte.

Im Glas schäumt es zuerst kräftig – aber dann schält sich ein eleganter, feiner Wein aus dem Spektakel. Der De Facto ist kein Naturwein-Freak mit den üblichen Cidre, Most und IPA Aromen, sondern erinnert an einen puren, frischen Bergbach. Er riecht ganz fein nach Holunderblüten, ist fast filigran in der Aromatik, aber deutlich frischer als herkömmliche Schaumweine, auch als andere Pet-Nats. Im Gaumen fällt die vollmundige, breite Textur auf, er ist sehr mineralisch, schmeckt nur leicht nach Birne, Quitte, Aprikosen. Insgesamt bleiben auch weniger die Fruchtaromen in Erinnerung, sondern diese pure Frische und elegante Textur. Gefällt und macht Lust auf mehr, mehr De Facto und mehr helvetische Pet-Nats.

De Facto 2019, Paccot – Domaine La Colombe (Fechy, La Côte / Waadt, Schweiz). Pet-Nat aus Chasselas, 10.6% Vol. Ab Weingut erhältlich für 18.-

Pet nat, Riffel

Riffel Pet Nat 2018

Es zischt beim Öffnen der Flasche, es zischt beim ersten Schluck: Der Pét-Nat von Riffel lässt sich am besten mit einem Wort beschreiben: Erfrischend. Und was in der Flasche steckt, ist ziemlich cool: 100% Scheurebe, gewachsen an verschiedenen Lagen am Binger Rochusberg, direkt am Rhein. Ein aromatisches, trübes Vergnügen, komplett unfiltriert, biodynamisch erzeugt und knochentrocken ausgebaut.

Das Weingut Riffel wird seit 2005 in jüngster Generation von Erik und Carolin Riffel geführt und stellte 2012 komplett auf Biodynamie um. Hier sind also keine Newcomer am Werk, sondern Überzeugungstäter mit Familientradition und 16 Hektaren Rebfläche. Der Pet-Nat ist denn auch die jüngste Idee des Weinguts, das daneben auch sehr solide Rieslinge abliefert und im Schatten der Rheinhessen-Flaggschiffe wie Keller und Wittmann in einer ambitionierten mittleren Liga sehr präzise und ausdrucksstarke Weine in die Flasche bringt. Auch der Vinum Guide Deutschland hielt 2019 fest: «Uns sind bisher nur wenige gelungene [Pet-Nat] Exemplare begegnet. Eins davon ist ohne Zweifel der Pet-Nat von der Scheurebe aus diesem Binger Weingut. Er zeigt eine klare Frucht und eine tolle Harmonie.»

Mit gerade mal 10% Alkohol, feinen Bubbles und einem Aromen-Dreiklang zwischen Zitrus, grünem Apfel und Cidre überzeugt er als Apéro am späten Nachmittag oder als vollwertiger Begleiter zu BBQ oder zum Beispiel zu Muscheln.

Pet nat 2018, Riffel (Bingen, Rheinhessen, Deutschland). Pet-Nat aus Scheurebe, 10% Vol. In der Schweiz erhältlich bei Les Vignes für 28.-

Afros Rosé, Valdisole

Afros Rosé 2018

Piemont, aber neu. 2015 begann Giuseppe Amato mit der Hilfe befreundeter Winzer in den Hügeln des Roero Rebberge zu kaufen und neu anzulegen. Schon der Start war nicht ganz konventionell: Den ersten Rebberg hatte Amato online auf einer Secondhand-Plattform gefunden und gekauft. Was ihn mit den Traditionen der Region verbindet, ist die handwerkliche Sorgfalt und das herzliche Engagement – was ihn aber zu einem Vertreter einer neuen Generation von Winzern macht, ist ein undogmatischer Ansatz mit Weinbau-Einflüssen aus anderen Regionen der Welt und der unbedingte Wille, unverfälschte Natur in die Flaschen zu bringen.

Nothing is art unless it comes from nature.
Antoni Gaudi, Leitphilosophie für Valdisole

Neben einer Reihe von spannenden Orange, weissen und roten Weinen produziert Valdisole mit dem Afros auch einen Naturschaumwein. Wie beim l’écume von Julien Altaber steht auch hier das Meer für den Namen Pate: Afros (αφρός) ist das griechische Wort für den Schaum der Meereswellen.

Im Unterschied zum Aligoté-Pet-Nat aus dem Burgund wird hier das Pet-Nat-Konzept jedoch kreativ gedehnt. Der Rosé (es gibt auch einen weissen) besteht zu 30% Freisa und 70% Barbera, die zunächst komplett mit den Naturhefen durchgären. Ein Teil des Saftes wird dabei vor der kompletten Gärung mit 5g Restzucker gefroren und im Juni des Folgejahres den Weinen wieder beigemischt, bevor sie abgefüllt werden. So wird der Gärprozess reaktiviert und die Bubbles kommen in die Flasche. Ist das noch Pet-Nat? Von der wirklich traditionellen Methode, direkt von der Gärung in die Flasche zu gehen weicht Amato definitiv ab, dank dem Gefrier-Trick braucht es jedoch keinen Zucker und das Endprodukt ist und bleibt Wein ohne jegliche Zusätze.

Und er schmeckt, der Afros Rosé. Ein sehr frischer, fruchtiger Wein mit feinen Bubbles. Das lange Hefelager bekommt ihm gut, er ist balanciert, fein cremig und sehr aromatisch. Einzig die Frucht-Aromen vom Barbera könnten für meinen Geschmack noch etwas ausgeprägter, knackiger sein, damit er noch einen Tick spannender, expressiver wird.

Afros Rosé, Valdisole (Roero, Piemont, Italien). Pét-Nat aus Barbera und Freisa. In der Schweiz erhältlich bei More Than Wine / Bottle Shop für 29.-

Festejar, Domaine La Bohème – Patrick Bouju

Ein Pét-Nat zum Feiern

Patrick Bouju ist mit seiner «Domaine La Bohème» einer der Vorreiter der Bewegung, die mitgeholfen hat die Region Auvergne auf die Naturwein-Landkarte zu setzen – und damit eine Weinregion, die Abseits der bekannten Namen wie dem Burgund, der Rhone oder Loire über die Landesgrenzen hinaus deutlich seltener im Rampenlicht steht, aber genauso über einzigartige Terroirs und schöne Landschaften verfügt.

Bouju startete seine Domaine 2004 mit 1.5 Hektar Rebfläche, die inzwischen auf rund 5 Hektar angewachsen ist. Neben Gamay d’Auvergne, Limberger, etwas Pinot Noir und anderen Sorten kultiviert er auch eine kleine Menge an Chardonnay. Seine meist alten Reben (die ältesten davon sind etwa 120 Jahre alt), wachsen auf kalkhaltigen und vulkanischen Böden, geprägt vom Puy de Dôme, dem Vulkan im Herzen der Auvergne. Im Rebberg verzichtet Bouju auf sämtliche Chemie, sondern setzt auf Produkte auf Kupfer- und Schwefelbasis sowie fermentierte Pflanzenextrakte.

Unter dem Namen «Festejar» (spanisch für feiern) produziert Bouju drei schöne Pét-Nats. Einen roten, einen Rosé – und einen Blanc aus Chardonnay, und um den geht es hier:

Der Festejar Blanc ist ein richtiger Spasswein, und zwar auf eine positive Art und Weise. Er riecht nach Zitrusfrüchten (am ehesten Grapefruit), Basilikum, und auch etwas Asche und Stein. Schmeckt original nach einer guten Zitronenlimonade mit Kräutern, ein wenig süss (ganz wenig) und mit richtig ordentlich Säure.

Ein sehr zugänglicher Pét-Nat, der aber doch Niveau hat und das Terroir der Auvergne zu transportieren vermag.

Festejar Blanc, Domaine La Bohème (Auvergne, Frankreich). Pét-Nat aus Chardonnay, bei diversen Händlern erhältlich – aber selten wirklich zu finden. Ca. €20.-

Grosser Dank für das Artikelfoto und die Degustationsnotiz an Naddi Heyl.

Video-Portrait Patrick Bouju, Entre Les Vignes

Pétillant Naturel, Weinbau Kunz

Pet-Nat Power

Einer der schönsten Aspekte des aktuellen Pét-Nat Trends ist die Kreativität und Experimentierfreude, die diese Weine unter Winzern stiften. Während entlang jahrzehntelangen Traditionen und strikten Richtlinien der lokalen Appellationen oft sehr schöne, aber selten überraschende Weine den Weg ins Glas finden, explodiert die Vielfalt an Pét-Nats gefühlt von Jahr zu Jahr. Nicht zuletzt der vergleichsweise kurze Weg vom Rebberg in die Flasche und zu den Konsumenten machen Pét-Nats zu einem zugänglichen Experimentierfeld für Winzer und so zu einer spannenden Sache für uns Weintrinker. Es entstehen unkomplizierte Weine für den Alltag, die von der Freude der Winzer an ihrem Handwerk zeugen.

Das gilt auch für den Pétillant Naturel von Hanspeter Kunz, seinem ersten Pét-Nat. Das Weingut Kunz ist ein Familienbetrieb in Fläsch in der Bündner Herrschaft und bewirtschaftet 4 Hektar Reben.

Der Pét Nat wurde aus Pinot Noir und Riesling-Sylvaner-Trauben gekeltert, produziert nach den Richtlinien der Integrierten Produktion. Der Wein durchlief eine kühle Spontanvergärung während 10 Tagen im Tank, bevor er danach in die Flasche gefüllt wurde und fertig gärte.

Das Resultat ist ein ziemliches Power-Paket. Stark schäumend kommt er ins Glas, mit einem hellen Lachsrosa. Während andere Pét-Nats eine fast cremige Textur und eine feine Perlage aufweisen, prickelt es hier fast bis ans Limit. Mit etwas Zeit im Glas wird er zugänglicher, es zeigen sich feinere Noten, etwas grüner Apfel, leicht Birne, Zitrus. Ein sehr frischer Wein, aber stilistisch kein typischer Pét-Nat, sondern geht mehr in die Richtung klassischer Schaumweine.

Pétillant Naturel (non vintage), Weinbau Kunz (Fläsch, Schweiz). Pét-Nat aus Pinot Noir und Riesling-Sylvaner, 11.5% Vol. In der Schweiz direkt beim Weingut erhältlich, 20.-

L’Écume, Sextant – Julien Altaber

l’Écume

Der «l’Écume» von Julien Altaber ist ein Pét-Nat der ersten Stunde, der die neue Welle von natürlichen Bubbles zusammen mit Produzenten wie Potaire/Gaddouche (Capriades) oder Robinot mitbegründet hat. Komplett trocken ausgebaut, aromatisch, mit der unverwechselbar eleganten Aromatik von Hefe- und Birnennoten ist er ein Benchmark für viele Pét-Nats, die heute produziert werden.

Julien Altaber wuchs in der Region Auvergne auf und hat schon im frühen Alter von 16 Jahren entschieden, sich dem Weinbau zuzuwenden. Sein eigenes Label «SEXTANT» hat er 2007 gegründet, damals noch mit zugekauften Trauben und tatkräftiger Unterstützung des Biodynamik-Pioniers Dominique Derain. Julien hat auf der Domaine von Dominique gearbeitet und durfte zur Vinifikation seiner ersten Weine dessen Infrastruktur nutzen. 2010 hat er seine ersten eigenen Parzellen gekauft und Schritt für Schritt in die eigene Ausrüstung investiert. Seit 2013 befindet sich sein Weingut in Saint Aubin, südlich von Beaune.

Zum Wein: «l’écume» ist Französisch für Meeresschaum bzw. die Gischt – ein sehr passender Name für diesen eleganten, frischen Wein. Der Jahrgang 2014 ist mit fünf Jahren Reife eine Freude zu trinken. Trüb im Glas, mit sehr feinen Bubbles, ist Julien Altabers Pét-Nat kein lauter, ultra-funky Wein, sondern hat eine erfrischende Mineralität, fast cremige Textur und feine, aber doch lebhafte Noten von Birne, Hefe. Alles ist schön balanciert und bleibt lange am Gaumen haften.

Dieser Wein passt perfekt in eine lockere Runde mit Freunden, zu Käse oder Aufschnitt, oder einfach auch solo.

L’Écume 2014, Sextant – Julien Altaber (Saint Aubin, Burgund, Frankreich). Pét-Nat aus Pinot Noir und Aligote, 12% Vol. In der Schweiz erhältlich bei Maison Libre für 26.- (neuere Jahrgänge mit neuem Label)