Wie schmeckt 2021?

Wie jedes Jahr durfte ich auch in diesem Winter den neuen Pet Nat von Christof Ruof probieren. Kurz vor Weihnachten landete das Paket bei mir und nach etwas Ruhe im Keller war es jetzt so weit: Der erste Schluck 2021. Der Pet Nat von Christof ist immer auch mein erster Kontakt mit dem jeweiligen neuen Jahrgang. Auf 2021 war ich ganz besonders gespannt, denn dass 2021 ein speziell schwieriger Jahrgang für die Winzer in der Schweiz und Europa war, dürfte kein besonders gut gehütetes Geheimnis sein. Ein «launischer» Jahrgang nennt es Christof, «die Hölle» sein Kollege Julien Guillon im Wallis: Ein kalter Sommer mit viel Regen, Pilzdruck, dazu je nach Lage Frost und Hagel. Dass es dennoch überhaupt neuen Wein aus 2021 gibt, ist dem harten Einsatz der Winzerinnen und Winzer durchs ganze Jahr hindurch zu verdanken. Ein durchschnittlich tieferer Ertrag von 20 bis 30% zeigt, wie schwierig die Situation war.

Es schwingt also eine grosse Portion Respekt und Dankbarkeit mit, als ich den Flaschenöffner beim Pet Nat 2021 ansetzte.

Wie schmeckt er denn jetzt, der Jahrgang 2021?

Während 2020 sehr direkt und offen in seinem fruchtigen Charme war, fast ungestüm kraftvoll und in der Farbe intensiv wie Grapefruitsaft, legt 2021 am Anfang mit deutlich stärkerer Säure los und zeigt mehr Zitrusaromen. Auch die Farbe ist anders, tendiert zu Lachsrosa. Erst mit etwas Zeit im Glas kommt dann diese typische Kombination der «Ruof Cremigkeit» mit den knackigen Beeren.

2021 braucht also Luft, wirkt zu Beginn noch sperrig und kantig. Die Säure trägt den Wein aber sehr stimmig und ich denke, dass er auch gut von etwas Flaschenreife profitieren kann. 2021 ist wohl der komplexeste der jüngeren Pet Nats von Christof Ruof.

Nach diesem ersten Preview auf 2021 bin ich sehr gespannt, wie andere Winzer den Jahrgang gemeistert haben und freue mich auf feine, energiegeladene Weine.

Pet Nat 2021, Christof Ruof (Jenins, Schweiz). Pét-Nat aus Pinot Noir, 11,7%. Erhältlich bei More Than Wine für CHF 28.-

Funkiness: clean | mild | wild

In the mood for freshness – rennersistas

Schöne Aussichten: Bubbles und Berge.

Diesen Traktor kennen mittlerweile wohl fast alle, die mal eine Weinhandlung oder ein Restaurant von innen gesehen haben. Seit 2014 wirken Stefanie und Susanne Renner unter dem eigenen Label rennersistas auf dem elterlichen Hof in Gols und haben mit ihren direkten, frischen und sympathisch trinkigen Weinen schnell auch international einen Namen in der Naturwein-Szene und weit darüber hinaus gemacht. Ihre Philosophie ist dabei einfach, aber nie freakig-dogmatisch: Biodynamischer Anbau. Hohe Biodiversität im Rebberg. Handarbeit. Spontanvergärung. Handlese. Keine Filtration, keine Schönung. Feinhefe statt Schwefel.

Der «In a hell mood» darf heute zu Recht als eine Pet-Nat-Ikone betrachtet werden und hat mit anderen Weinen aus Österreich wie dem «Kalkspitz» von Christoph Hoch und den «Fuchs und Hase» Weinen den Ruf Österreichs als Naturbubble-Pionierland geprägt.

Er schmeckt denn auch genauso, wie er aussieht: Frisch, aufgeräumt, verspielt, sympathisch und absolut unkompliziert. Mit gerade mal 10%Vol ist er sehr trinkig, der wohl sehr früh geerntete St. Laurent sorgt für eine schöne ausgeprägte Säure. Es dominieren Zitrusnoten am Gaumen, nur die feine Most-Note im Abgang irritiert etwas und erinnert leicht an Cidre.

Insgesamt ein sehr stimmiger, spassiger Wein, der sich nicht aufdrängt sondern leicht und beschwingt für gute Laune sorgt.

In A Hell Mood 2019, Rennersistas (Burgenland, Österreich). Pét-Nat aus St. Laurent, 10%. Erhältlich bei Smith&Smith für CHF 32.50.-

Funkiness: clean | mild | wild

Peaches!

Hier ist er also, der Sommer: In dieser Flasche. Herrlich cremig, intensiv-fruchtig, verspielt und doch ernsthaft. Strahlend, warm und lebhaft. Ein gehaltvoller, dichter Pét-Nat von Anne-Claire Schott, in dem sie die individuellen Stärken von Chasselas und Muscat ideal kombiniert. Hier passiert so viel gleichzeitig, dass ein Schluck schnell nach dem nächsten ruft – wie intensiv kann ein Wein nach Pfirsich riechen?

Pét-Nat 2020, Anne-Claire Schott (Twann, Schweiz). Pét-Nat aus Chasselas und Muscat, 12.1%. Erhältlich direkt beim Weingut für CHF 35.-

Funkiness: clean | mild | wild

Kunst und Methode: Die Pét-Nats von Markus Ruch

An diesem Beitrag arbeite ich nun schon seit Monaten. Einerseits war es nicht ganz so einfach, an diese Weine zu kommen – andererseits habe ich einen sehr gesunden Respekt vor diesen Weinen, so dass ich mich nur ganz langsam wie ein schüchterner Asteroid auf einer gemütlichen Umlaufbahn dem Objekt im Zentrum zu nähern wagte.

Aber jetzt ist es soweit. Der Artikel steht und es gibt was zu lesen: Vorhang auf für die fein-sprudelnde Welt von Markus Ruch.

Markus muss man eigentlich nicht mehr vorstellen. Er ist eine der wenigen Ikonen der Schweizer Naturwein-Szene und geniesst sowohl hohes Ansehen und Glaubwürdigkeit im harten Kern der Szene, wird aber auch weit hinein ins klassische Lager geschätzt. Weil seine Weine einfach gut sind und weil er mit seinem Ansatz zwar sehr klar Position bezieht, aber eben nicht dogmatisch missionierend ist. Einen guten Teil seiner Produktion verkauft er mittlerweile über die Landesgrenzen hinaus – nach Skandinavien, London, Berlin.

Seit 2007 bewirtschaftet Markus seine Rebberge in und um Neunkirch im Kanton Schaffhausen. Er arbeitet biodynamisch und machte auf seinem Weg in die Selbständigkeit unter anderem Halt bei Christian Zündel im Tessin, Marie-Thérèse Chappaz im Wallis und Dominique Derain im Burgund. Mit viel Gespür für die einzigartigen, aber oft verkannten Terroirs im Klettgau hat er sich seine Lagen zusammengestellt. Dabei hat er immer wieder auch bestehende Rebberge übernommen und vor ihrer Rodung bewahrt. Sie bilden heute mit ihren alten Reben die Basis für seine ausdrucksstarken Weine. Vergoren wird mit natürlichen Hefen, ausgebaut mit sehr wenig Neuholz, vereinzelt auch in Amphoren. Wichtigste Sorte ist der Pinot Noir und damit verbunden der Wunsch aufzuzeigen, wie die verschiedenen Böden des Klettgau sich im Wein widerspiegeln. Ganze fünf Einzellagen füllt er dazu ab: Haalde, Chölle, Schlemmweg, Buck, Schumpen.

Pinot-Standard im Klettgau.
Und das ambitionierteste Pét-Nat Projekt der Schweiz.

Dazu gesellt sich seit ein paar Jahren das wohl ambitionierteste Pét-Nat Projekt der Schweiz. Und ironischerweise ist der Natursprudler nicht mal das eigentliche Ziel, sondern vor allem eine Übungswiese für ein anderes Projekt. Doch der Reihe nach.

Schon früh habe ich davon gehört, dass Markus Ruch einen Pét-Nat mache. Nur zu kaufen gab es den leider nirgends. Bei den Naturwein-Spezialisten von Cultivino, die fast alle Weine von Markus im Sortiment haben, wurde der Pét-Nat jeweils direkt an die Gastronomie verkauft, im Einzelhandel ist er gar nie aufgetaucht – bei einer Produktion von 300 bis 600 Flaschen auch keine grosse Überraschung.

Dann aber landete eines Tages doch noch eine Flasche auf meinem Tisch, über verschlungene Instagram-Wege organisiert von meinem Bruder und seiner Frau. Der Wein war grossartig und passte an einem warmen Sommer-Grill-Abend mit seiner kühlen, eleganten und sehr zurückhaltenden aber doch aromatisch-eigenständigen Art wie die Faust aufs Auge. Es war ein maischevergorener Müller-Thurgau 2018.

Ich war verliebt. Doch meine Begeisterung für diesen Wein wurde jäh gebremst.

«Den Müller-Thurgau möchte ich eigentlich rausrupfen.» Monate nach dem Grill-Abend telefoniere ich mit Markus, um mehr über seine Pét-Nats und seine Philosophie als Winzer zu erfahren. Schnell wird klar: Die 2018er Orange-Variante des MT war ein Unikat, 2019 wurde schneller abgepresst. An Gefälligkeit hat Markus kein Interesse, der Charakter des Müller-Thurgau ist ihm insgesamt zu wenig spannend. Ihn interessieren die Extreme: Ein karger, weisser Pinot, schmerzhaft früh geerntet, ein Benchmark für Acid Heads. Ein Pét-Nat also, der sich an der Zero Dosage Stilistik der Champagne orientiert. In dieser Kompromisslosigkeit erinnert mich Markus an einen Künstler. Er verfolgt eine klare, persönliche Stilistik. Das Publikum darf gerne dazu eine eigene Meinung haben, interessieren tut sie ihn absolut sekundär. Der Pét-Nat Pinot Noir 2019 hat eine unglaubliche Energie und spaltet mit seiner krassen Säure tatsächlich die Geister am Tisch. Mir gefällt der Stil, Fruchtaromen sind fast komplett abwesend aber der Wein leuchtet und strahlt eine athletische Eleganz aus, die sehr erfrischend ist. Gut möglich, dass er mit ein paar Jahren in der Flasche noch schöner wird. Anderen Mittrinkern ist er klar zu extrem und sauer.

Das andere Extrem von Markus Ruch ist das Herzensprojekt Cidre.

Die Mosterei Oswald+Ruch verwertet Früchte von vernachlässigten Obstbäumen in der Region und hilft so mit, dieses wertvolle Kulturgut und die natürliche Biodiversität zu erhalten. Die Erfahrung im Umgang mit den Pét-Nats fliesst direkt ein ins Projekt: «Wir konnten wertvolles Wissen rund um die Méthode Ancestrale aufbauen. Fehler machen, neugierig bleiben, Mut haben.» So kommt zum Beispiel der Saft sowohl von Trauben wie auch Äpfeln nach dem Pressen zunächst in den Kühlraum, um sich zu beruhigen und nicht wild galoppierend in die Fermentation zu starten.



Wie beim Pinot Noir ist auch beim Cidre die Vielfalt der Schlüssel zum Erlebnis: Aktuell sechs verschiedene Abfüllungen gibt es. Die verschiedenen alten Apfel- und Obstsorten sind gross auf den geschmackvollen Etiketten aufgeführt. Das weckt zwar die Neugierde, aber eine einprägsame Produktebezeichnungen ist «Bohnapfel Boskoop Surgrauech Berner Rose Blauacher Neunkirch 2019» dafür leider eher nicht.

Geschmacklich liegen die Cidres stärker in der klassischen Naturwein-Ecke als die Pét-Nats und sind mild funky. Vor allem der Bohnapfel Konstantinopeler… gefiel mir mit seiner herben, leicht säuerlichen und deutlich von der Hefe geprägten Art sehr gut. Die feine Aromatik der Apfelquitte gibt dem Wein zusätzlich Charme.

Der Bohnapfel Boksoop… ist halbtrocken ausgebaut. Die Süsse ist deutlich spürbar, trotzdem wirkt er weder fett noch klebrig, sondern bleibt fein und dank der Säure balanciert. Im Charakter ist er aber klar weicher, zugänglicher und trinkfreudiger.

Es bleibt mir, Markus für unser Gespräch und die zur Verfügung gestellten Weine zu danken. Der Einblick in seine Wein-Welt und Pét-Nat-Systematik ist unglaublich spannend und ich hoffe, dass er mit seiner an Qualität und Charakter orientierten Ancestral-Philosophie das eine oder andere zukünftige Talent inspiriert.

Klettgau Pinot Noir 2019, Markus Ruch (Neunkirch, Schweiz). Pet-Nat aus Pinot Noir, 10%. Erhältlich bei Cultivino für 22.-

Funkiness: clean | mild | wild

Bohnapfel, Konstantinopeler Apfelquitte, Pastorenbirne 2019, Mosterei Oswald+Ruch (Neunkirch, Schweiz). Cidre aus Apfel, Birne, Quitte, 5,7%. Erhältlich bei Cultivino und Selection Widmer für 15.- bis 16.-

Super Schluck, Fabien Henriot: Mini-Produktion, Maxi-Genuss

Super Schluck 2019

Diese Flaschen sind nicht ganz einfach zu bekommen. Zuerst ist da nur das Gerücht von einer Mini-Produktion in Neuchâtel. Dann findet man in einem Nebensatz auf einem Blog einen Namen. Und landet dann mit etwas Spürsinn auf einer Facebook-Seite: Les Vins du Fab. Fab, das ist Fabien Henriot. Und seine Produktion ist nicht nur klein, sondern mikroskopisch klein. Von dem hier vorgestellten weissen Viognier-Pet-Nat «Super Schluck» gibt es gerade mal 55 Flaschen. Beziehungsweise knapp 40 Flaschen, nachdem sie Fab noch degorgiert hat um Druck und Sediment zu reduzieren.

Wer hier am Werk ist, muss also ein ziemlicher Überzeugungstäter sein.

Der Viognier für diesen Pet-Nat stammt aus der Lage «Perrières» in La Neuveville, am Fusse des Juras. Die Reben wachsen hauptsächlich auf Böden aus Lehm und Kalkstein mit etwas Kies, sind schon gut 25 Jahre alt und werden von Jean-Daniel Giauque kultiviert – respektive: wachsen gelassen. Gräser, Kräuter und andere Pflanzen dürfen wild zwischen den Reben wachsen und die Laubwand bleibt oben offen. Fabien erzählte mir, dass jeweils zu Fuss fast kein Durchkommen mehr sei, bevor sie im Spätsommer mit der grossen Schere durch den Rebberg gehen.

Zum Wein: Der «Super Schluck» zeigt eine schön ausgewogene Perlage, in der Nase eine leichte Note von Cidre. Am Gaumen schmeckt man etwas Limette, Kiwi, aber vor allem weisse Grapefruit und etwas Birne, Hefe. Mir huscht auch noch die positive Assoziation von Pepita durch den Kopf. Am meisten aber beeindruckt der Wein mit seiner spannenden Textur. Das ist eine volle Ladung Pet-Nat, sehr einnehmend, mit viel Energie aber eben auch Eleganz und Balance. Ein echter Charakterkopf.

Fabien arbeitet seit 2009 als Winzer, zunächst in Frankreich und seit 2014 in der Schweiz. 2019 ist der zweite Petnat-Jahrgang von Fab und man darf gespannt sein, wohin seine weitere Reise geht!

Super Schluck 2019, Fabien Henriot (Neuchâtel, Schweiz). Pet-Nat aus Viognier, 12.5%. Direkt ab Weingut erhältlich für 24.- (ausverkauft)

Funkiness: clean | mild | wild

Pet’Nat‘ Rosé, Cave des Amandiers: Kunstvoller Walliser.

Für Monster und Geniesser: Pet-Nat Rosé aus Humagne Rouge

Sehr steil, sehr schön: Wer sich die Rebberge von Alexandre Délétraz anschaut, versteht schnell warum hier jemand sein Glück als Winzer versuchen will. Erst seit 2008 gibt es seine Domaine, zuvor hatte Alexandre noch sein Önologie-Studium abgeschlossen und war von Genf ins Wallis gezogen, getrieben vom Traum, Winzer zu werden und nicht ein Leben hinter einem Bürotisch zu verbringen. 6 Hektar betreut er heute, gearbeitet wird von Hand und alle Weine vergären spontan.

Seinen Pet-Nat habe ich per Zufall bei einem Genfer Weinhändler entdeckt und gleich bestellt. Neben dem Rosé von 2018 gibt es noch einen weissen Pet-Nat aus Petite Arvine aus dem Jahr 2019, den ich für den Moment aber noch im Keller ruhen lasse.

Der Rosé wurde aus Humagne Rouge gekeltert. Am Anfang ist die Perlage noch sehr intensiv – nicht überschäumend aus der Flasche, sondern druckvoll im Mund. Wandelt sich aber schnell und wird weicher, angenehmer. Es zeigen sich wilde Beeren, ein reifes Aroma, sehr harmonisch. Sehr schön in Begleitung zu Essen. Ein eleganter, lustvoller Pet-Nat.

Man merkt diesem Weinen die Energie Alexandre an, etwas handwerkliches, aber auch künstlerisches zu schaffen. Eine schöne Entdeckung.

Pet’Nat‘ Rosé 2018, Cave des Amandiers (Wallis, Schweiz). Pet-Nat aus Humangne Rouge, 13,3% Vol. Bei 1870 Vins et Conseil erhältlich für 19.-

Funkiness: clean | mild | wild

CX Ancestral, Partida Creus: Entspannung im Glas

Die Weine von Partida Creus mit ihren plakativen Buchstaben gehören in die gleiche ikonische Top-Liga der Naturwein-Szene wie die Portrait-Labels des Gut Oggau oder die Pfeile von Gabrio Bini. Der erste Jahrgang von Partida Creus entstand aber schon 2007, als Instagram noch nicht erfunden und Naturweine noch weit weg von globalen Dynamik waren, die sich die Szene mittlerweile erarbeitet hat. Höchste Zeit also, diese Ikone vorzustellen.

Partida Creus, das sind Massimo Marchiori und Antonella Gerona, zwei ehemalige Architekten aus dem Piemont. Sie kamen zunächst beruflich nach Barcelona, zogen dann aber ums Jahr 2000 aufs Land, um mehr Ruhe in ihren Alltag zu bringen. So landeten sie in Massís de Bonastre (Baix Penedés), wo sie über die Jahre den Charme verlassener Rebberge und vergessener autochthoner Rebsorten entdeckt haben.

Egal ob CX, GT, XL, BS, VN, AA: Hinter den Buchstaben stehen immer autochthone Sorten der Region, die Massimo und Antonella in verlassenen Parzellen aufgestöbert haben. Die alten Reben werden nachhaltig bewirtschaftet, haben nur sehr tiefe Erträge und die Trauben werden mit möglichst wenig Interventionen und ohne Schwefel vinifiziert. Um den Charakter der Trauben nicht zu verfälschen, werden die Weine strikt in gebrauchten Fässern ausgebaut.

Neben den stillen Weiss-, Orange- und Rotweinen gibt es von Partida Creus auch eine kleine Auswahl von Ancestral Weinen, also spontan- und naturvergorenen Schaumweinen.

Den CX (Abkürzung für die Traube Cartoixa Vermell) hatten wir auf einem Wochenendausflug mit im Gepäck und er passte perfekt zum sommerlichen Sonntagnachmittag am Fluss. Man merkt es diesem Pet-Nat an, dass hier Erfahrung am Werk ist. Der Wein ist angenehm unaufgeregt, fast schon nobel, kühl zurückhaltend, aber mit einer spürbaren Spannung und Tiefgang. Ein sehr frischer Wein, kühle Frucht (etwas weisser Pfirsich), aber eben auch mediterrane Kräuter (Rosmarin, Thymian) und fast eine leichte Salzigkeit.

Kein Pet-Nat-Blockbuster, aber definitiv ein Wein, den es sich lohnt zu suchen.

CX 2018, Partida Creus (Bonastre / Penedès, Spanien). Pet-Nat aus Cartoixa Vermell, 10% Vol. Bei More Than Wine erhältlich für 30.- (ausverkauft)

Funkiness: clean | mild | wild

Links: Partida Creus – Visit 2014 (Katalde.com), The Birthplace of BS (thewinestache.com)

Bubbles vom Walensee: Die Pét-Nats von Marco Casanova

Mit Jahrgang 2019 präsentiert der «Zauberer vom Walensee» und Biowinzer des Jahres 2017 seine ersten beiden Pét-Nats. Casanova produziert in Walenstadt auf verschiedenen Parzellen sehr feine und ausdrucksstarke Weine und wer seinen Rebberg Seemühle am Ufer des Walensees besucht, bekommt schnell ein Gefühl dafür, wie viel Platz für Natur ein konsequent biodynamischer Weinbau bieten kann: Es summt und blüht überall, und dazwischen wachsen saubere, gesunde Trauben.

Neben die klassischen Pinot Noirs, Chardonnays und anderen stillen Weine gesellen sich jetzt diese beiden Pét-Nats in rosé und weiss: Ein Pinot Saignée aus Trauben aus den verschiedenen Pinot Noir Parzellen und der Seyval Blanc von Trauben vom Hof Wynegg in Malans. Die beiden Weine sind sehr unterschiedlich in ihrer Aromatik, tragen aber beide deutlich die Handschrift von Marco Casanova. Sie sind in ihrer Art sehr authentisch, direkt und kompromisslos. Auch bei Casanova sind die Pét-Nats spontan vergoren, unfiltriert, ohne Schwefel.

Casanova Pét-Nat - Pinot Saignée
Wild und funky: Pét-Nat Pinot Saignée

Der Pinot Saignée hat eine herrliche Farbe wie frischer Grapefruit-Saft und ist ein richtig süffiger, aber dennoch feiner Tropfen. Im Geschmack wohldosierte Zitrusfrüchte (hier löst der Gaumen das visuelle Versprechen ein) und ein ganzer Korb voller roter Früchte. Das ist kein Experimental-Petnat mit Most-Stinker, sondern spritziger Pinot mit feinen Bubbles, einer herrlichen, cremigen Textur und schönen Hefenoten. 300 Flaschen wurden abgefüllt.

Casanova Pét-Nat - Seyval Blanc
Elegant und erfrischend: Pét-Nat Seyval Blanc

Der Seyval Blanc ist der etwas elegantere Bruder des Funky Saignee. Er schäumt deutlich weniger und hat eine eher kühlere, mineralischere, fast auch etwas zurückhaltende Art. Die Aromatik zeigt feine Aromen von Birne, leicht Melone, etwas Brotrinde und auch in Richtung Zitrus, weisser Grapefruit. Die Textur ist kalkig-cremig und macht den Wein sehr erfrischend. Zum Apéro und etwas Käse und Fleisch passt das sehr gut. 1000 Flaschen wurden produziert.

Aus dem Stand hat Casanova mit diesen beiden Weinen zwei sehr gelungene, kreative Pét-Nats produziert und wir sind gespannt auf die weitere Entwicklung der Bubbles vom Walensee.

Pinot Saignée 2019, CasaNova Wein Pur (Walenstadt / St Gallen, Schweiz). Pet-Nat aus Pinot Noir, 12,9% Vol. Ab Weingut oder bei Rebwein erhältlich ab 20.- (ausverkauft)

Seyval Blanc 2019, CasaNova Wein Pur (Walenstadt / St Gallen, Schweiz). Pet-Nat aus Seyval Blanc, 12,7% Vol. Ab Weingut oder bei Rebwein erhältlich ab 20.-

Funkiness: clean | mild | wild

Pet nat, Riffel

Riffel Pet Nat 2018

Es zischt beim Öffnen der Flasche, es zischt beim ersten Schluck: Der Pét-Nat von Riffel lässt sich am besten mit einem Wort beschreiben: Erfrischend. Und was in der Flasche steckt, ist ziemlich cool: 100% Scheurebe, gewachsen an verschiedenen Lagen am Binger Rochusberg, direkt am Rhein. Ein aromatisches, trübes Vergnügen, komplett unfiltriert, biodynamisch erzeugt und knochentrocken ausgebaut.

Das Weingut Riffel wird seit 2005 in jüngster Generation von Erik und Carolin Riffel geführt und stellte 2012 komplett auf Biodynamie um. Hier sind also keine Newcomer am Werk, sondern Überzeugungstäter mit Familientradition und 16 Hektaren Rebfläche. Der Pet-Nat ist denn auch die jüngste Idee des Weinguts, das daneben auch sehr solide Rieslinge abliefert und im Schatten der Rheinhessen-Flaggschiffe wie Keller und Wittmann in einer ambitionierten mittleren Liga sehr präzise und ausdrucksstarke Weine in die Flasche bringt. Auch der Vinum Guide Deutschland hielt 2019 fest: «Uns sind bisher nur wenige gelungene [Pet-Nat] Exemplare begegnet. Eins davon ist ohne Zweifel der Pet-Nat von der Scheurebe aus diesem Binger Weingut. Er zeigt eine klare Frucht und eine tolle Harmonie.»

Mit gerade mal 10% Alkohol, feinen Bubbles und einem Aromen-Dreiklang zwischen Zitrus, grünem Apfel und Cidre überzeugt er als Apéro am späten Nachmittag oder als vollwertiger Begleiter zu BBQ oder zum Beispiel zu Muscheln.

Pet nat 2018, Riffel (Bingen, Rheinhessen, Deutschland). Pet-Nat aus Scheurebe, 10% Vol. In der Schweiz erhältlich bei Les Vignes für 28.-

Funkiness: clean | mild | wild

L’Écume, Sextant – Julien Altaber

l’Écume

Der «l’Écume» von Julien Altaber ist ein Pét-Nat der ersten Stunde, der die neue Welle von natürlichen Bubbles zusammen mit Produzenten wie Potaire/Gaddouche (Capriades) oder Robinot mitbegründet hat. Komplett trocken ausgebaut, aromatisch, mit der unverwechselbar eleganten Aromatik von Hefe- und Birnennoten ist er ein Benchmark für viele Pét-Nats, die heute produziert werden.

Julien Altaber wuchs in der Region Auvergne auf und hat schon im frühen Alter von 16 Jahren entschieden, sich dem Weinbau zuzuwenden. Sein eigenes Label «SEXTANT» hat er 2007 gegründet, damals noch mit zugekauften Trauben und tatkräftiger Unterstützung des Biodynamik-Pioniers Dominique Derain. Julien hat auf der Domaine von Dominique gearbeitet und durfte zur Vinifikation seiner ersten Weine dessen Infrastruktur nutzen. 2010 hat er seine ersten eigenen Parzellen gekauft und Schritt für Schritt in die eigene Ausrüstung investiert. Seit 2013 befindet sich sein Weingut in Saint Aubin, südlich von Beaune.

Zum Wein: «l’écume» ist Französisch für Meeresschaum bzw. die Gischt – ein sehr passender Name für diesen eleganten, frischen Wein. Der Jahrgang 2014 ist mit fünf Jahren Reife eine Freude zu trinken. Trüb im Glas, mit sehr feinen Bubbles, ist Julien Altabers Pét-Nat kein lauter, ultra-funky Wein, sondern hat eine erfrischende Mineralität, fast cremige Textur und feine, aber doch lebhafte Noten von Birne, Hefe. Alles ist schön balanciert und bleibt lange am Gaumen haften.

Dieser Wein passt perfekt in eine lockere Runde mit Freunden, zu Käse oder Aufschnitt, oder einfach auch solo.

L’Écume 2014, Sextant – Julien Altaber (Saint Aubin, Burgund, Frankreich). Pét-Nat aus Pinot Noir und Aligote, 12% Vol. In der Schweiz erhältlich bei Maison Libre für 26.- (neuere Jahrgänge mit neuem Label)

Funkiness: clean | mild | wild